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Selbstportrait

Klassentreffen im Kunstforum

Bei der Eröffnung einer packenden Ausstellung in Neumarkt waren bedeutende Südtiroler Künstler in selten erlebter Dichte anwesend. Gebrodelt hat es dabei nicht.
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Am Abend des 27. Mai wurde in Neumarkt eine höchst interessante und anregende Ausstellung eröffnet. 97 der 110 Künstler, die in den letzten 20 Jahren im Kunstforum Unterland ausgestellt haben, stellen eine Arbeit aus, die von Kuratorin Brigitte Matthias unter der Bezeichnung "Selbstportrait" vorgegeben wurde.

Zustande gekommen ist ein umwerfend vielschichtiger und aussagestarker Streifzug durch die aktuelle Südtiroler Kunstszene. Mit vielen Überraschungen und Ausdruckmitteln, bis hin zu zwei ansprechenden Peformances von Matthias Schönweger und Thomas Sterna.
 

kunstforum_neumarkt.jpg
Ein packender, vielschichtiger, ausdruckstarker Einblick in die aktuelle Südtiroler Kunstszene
Es ist sehr spannend einmal mit "verkehrten" Rollen auf den Kunstbetrieb zu blicken: Die Künstler schauen sozusagen von den Wänden herab. Fragend, schweigend, fordernd, zurückhaltend, provokant, ängstlich, stolz, gesettelt, offen, geheimnisvoll, zornig, fröhlich ...blicken sie in die Welt der Betrachter, die sehr zahlreich gekommen waren. Ich hatte selten ein so kraftvolles und anregendes Ausstellungserlebnis.

Es war auch etwas Besonderes, so viele bedeutende Südtiroler Künstler an einem Ort versammelt zu sehen. Das stimmungsvolle Ambiente des Kunstforums im mittelalterlichen Haus mit dem einladenden Innenhof tat ein Weiteres dazu, dass es die vielen Gäste sehr lange aushielten.

Eine Frage ist mir beim Blick in die Runde mit Insistenz und einer gewissen Beunruhigung gekommen: Die - durchaus angenehme! - Atmosphäre erinnerte eher an ein Klassentreffen der Handelsoberschule als an eine brodelnde Versammlung herausragender Kunstschaffender.

Ist die Kunst im neoliberalen Finanzfeudalismus (wieder) zum Dekor geworden? Und mit ihr auch der Künstler, die Künstlerin?

Kommen so Positionen und Anstöße zu Stande, die die Welt verändern? Ober gibt es gerade einen starken Konsens quer durch alle Schichten, dass wir schon in der besten aller Welten leben und es uns am besten darin gemütlich einrichten sollten?

Gewöhnen wir uns alle daran, dass wir nicht mehr Weltbilder und mutige Zukunftsentwürfe vor uns hertragen, sondern uns damit begnügen, von Wahl zu Wahl, von Entscheidung zu Entscheidung das kleinere Übel zu wählen, nur um nicht aus unserem Kokon zu fallen?

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Kommentare

Bild des Benutzers Hans Knapp

Markus, ja, wir Südtiroler Künstler sind nicht selten angepasst, mittelmäßig, harmlos, und um das herauszubekommen hättest du nicht nach Neumarkt fahren müssen.
Ich finde es aber ziemlich billig, ja ich finde es schäbig, die Geburtstagsfeier des kfu zum Anlass zu nehmen, uns rundum als Leute hinzustellen, die es sich in ihrer Rolle als Dekor im neoliberalen Finanzfeudalismus gemütlich eingerichtet haben und die Welt getrost die beste aller möglichen sein lassen.
Wenn es dir darum ginge, eine faire Beurteilung unserer Arbeit zu versuchen, müsstest du dich ausführlicher informieren, und dann würdest du auch viel ernsthafte und engagierte Auseinandersetzung mit den großen Fragen und Problemen des Lebens finden.

Bild des Benutzers Markus Lobis

Lieber Hans, es war weder meine Absicht noch stünde es mir zu, die Südtiroler KünstlerInnen in Bausch und Bogen zu kritisieren oder ihnen irgendwelche Empfehlungen zu geben. Sollte das so rüberkommen, dann war das nicht meine Absicht.

Mir sind einfach bei dieser Gelegenheit einige Fragen in den Sinn gekommen, die ich mir erlaubt habe, zu stellen. Wenn mir jemand antwortet, dass das was ich beobachte, nicht stimmt, dann bin ich froh darüber.

Bild des Benutzers Hans Knapp

Viele von uns machen es sich nicht leicht, das kannst du mir glauben!
Manches gelingt, und manches gelingt nicht.
Gruß, Hans

Bild des Benutzers Elisabeth Ladinser

Fragen muss man immer dürfen, auch wenn die Antworten nicht leicht zu finden sind, oder betroffen machen können.
Auf deine Fragen, Markus, sollten wir uns ALLE um eine Antwort bemühen ....
Danke.

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